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May 20, 2022

#ActOut - Queerness in der Filmbranche

#actout #queernessinderfilmbranche #LGBTQIA+

Vor kurzem war es wieder so weit: Am 17. Mai feiern wir seit nunmehr 17 Jahren den internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie! Dieses wichtige Thema geht natürlich auch an uns in der Filmbranche nicht vorüber. Zu diesem Anlass haben wir uns in unserem Arbeitsfeld umgeschaut und möchten nun zeigen, was bereits für mehr Akzeptanz in der Branche und Aufmerksamkeit unter dem Publikum getan wird – oder getan werden müsste.

LGBTIAQ+ im Stream und TV

Bei großen Streaming-Anbietern wie auch im Fernsehen haben sich inzwischen queere Formate etabliert. Etwa „Queer Eye Germany“ oder „Prince/Princess Charming“. Aber auch altbekannte Sendungen wie „GNTM“ oder „Love Island“ haben sich etwas geöffnet und zeigen offen queere Menschen zur besten Sendezeit.

Das ist gut und wichtig! Denn was auf der Mattscheibe rezipiert wird, prägt auch den Lebensalltag der Deutschen. Menschen kommen mit queeren Lebensentwürfen in Berührung, auch wenn diese nicht Teil ihrer eigenen Blase sind. Und das Thema LGBTQIA+ wird für sie greifbarer.

Auch das Kino kann queer

Auch der Blick ins vergangene Kinojahr zeigt einige erfreuliche Beispiele für queere Vielfalt:

Im Film FALLING (2021) spielt Viggo Mortensen einen homosexuellen Mann, der aufgrund seiner Sexualität seit seiner Kindheit immer wieder mit seinem inzwischen dementen Vater Konflikte erleiden muss.  

In POWER OF THE DOG (2021) wird es zwar nie offen ausgesprochen, jedoch versteckt hier ein machohafter Cowboy der 1920er Jahre (gespielt von Benedict Cumberbatch) seine Homosexualität, als diese von einem sehr viel jüngeren Neuankömmling auf der Farm ungewollt herausgefordert wird.

Kate Winslet spielt in AMMONITE (2021) eine Frau, die in den 1840er Jahren eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit einer verheirateten, jüngeren Frau (Saoirse Ronan) aus besseren sozialen Verhältnissen beginnt. Leider ohne großes Potenzial auf ein Happy End.  

Und in TITANE (2021) wechselt Agathe Rousselle als nichtbinäre Figur von einer Geschlechterrolle in eine andere.

Akzeptanz von LGBTIAQ+ ist kein Thema mehr? Leider doch …

All diese positiven Beispiele zeigen allerdings nur eine Seite der Medaille. Im Februar 2021 haben sich unter dem Hashtag #ActOut in einem SZ-Artikel 180 Schauspieler:innen (und andere Filmschaffende) geoutet. Sie haben in ihrem Manifest aufgezeigt, wie wenig queere Sichtbarkeit in der deutschen Film- und Kinolandschaft nach wie vor vorhanden ist. Oder Gleichberechtigung. Denn es geht nicht nur darum, Vielfalt in den Film, also auf die Leinwand, zu bringen. Auch die Vielfalt derjenigen, die überhaupt erst zum Entstehen von Filmen beitragen, muss viel wichtiger genommen werden.  

Copright: Actout_manifest Instagram

Das Anliegen der Aktivist*innen in ihren eigenen Worten:  

„Bislang wird behauptet, dass, wenn wir gewisse Facetten unserer Identität, nämlich unsere sexuelle sowie Geschlechtsidentität offenlegten, wir mit einem Mal bestimmte Figuren und Beziehungen nicht mehr darstellen könnten. Als wäre deren Sichtbarkeit unvereinbar mit unserer Fähigkeit, Rollen überzeugend und glaubhaft für das Publikum zu verkörpern.
Diese Unvereinbarkeit gibt es nicht.
Wir sind Schauspieler*innen. Wir müssen nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir es – das ist unser Beruf.“

Heterosexuelle Menschen verkörpern homosexuelle Liebespaare – aber andersrum soll das nicht möglich sein? Es muss aufhören, dass etwa homosexuellen Menschen gewisse Charakterzüge oder Verhaltensweisen zugeschrieben werden. Dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Zugehörigkeit in Schubladen gesteckt werden. Die Schauspieler:innen wissen sehr genau, was sie darstellen und repräsentieren können und was nicht. Eva Meckback von #ActOut erklärt: „Ich kann mich auf die Bühne stellen und sagen: Ich bin eine Birke! Und wenn das entsprechend erzählt wird, denken alle: Ja, das ist jetzt eine Birke.“  

Das lässt sich ebenso auf menschliche Rollen übertragen. Das zeigt aber auch, wo ein Wandel eigentlich beginnen muss: Nicht erst bei der schauspielerischen Besetzung, sondern schon bei Drehbuch, Regie-Vergabe und Produktionsplanung.  

Es gibt noch viel zu tun:  

Offensichtlich gibt es noch einiges an Verbesserungspotenzial. Aber es hat sich auch etwas getan seit #ActOut. Es haben sich z. B. weitere Berufsgruppen der Bewegung angeschlossen, etwa #OutInChurch, #TeachOut oder #PilotsOut. Eine Bewegung wie #ActOut kann und soll Vorbild sein. Vorbilder sind nachweislich ein wichtiger Antrieb in Sachen Veränderung.  

Bezogen auf die Filmbranche berichten #ActOut-Mitglieder von mehr Aufmerksamkeit der Caster:innen, Regisseur:innen und Kolleg:innen, von etwas mehr Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit, von der Arbeit mit und an Schauspielschulen. Für sie ist auch die junge Nachwuchsgeneration der Filmschaffenden enorm wichtig. Sie kann für neue Serienformate und moderne, offene Drehbücher sorgen.    

Aber auch, wenn auf Produktionsebene schon versucht wird, die neuen (und berechtigten) Forderungen zu beachten, ist Queerness bei weitem noch keine Selbstverständlichkeit.  

Es wundert da auch nicht, dass die negativen Reaktionen auf #ActOut größtenteils von Menschen kamen, die weiß, cis, abled und hetero sind, so Mitglied Heinrich Horwitz. „Es kam natürlich oft der Einwand, was wollen die? Die können doch [schon] machen, was sie wollen.“  

Die Umfrage Vielfalt im Film hat aber bestätigt: Können sie nicht. Und zeigt auch, dass das Problem schon eher ansetzt, als man denkt: An der Studie haben mehr als 6000 Filmschaffende teilgenommen. Jede 5. Person von ihnen identifiziert sich als Teil der LGBTQIA+-Bewegung. Auf die Frage „Welche Faktoren spielen für Outing-Entscheidungen im beruflichen Kontext eine Rolle“ waren die beiden häufigsten Antworten:

  • „Abhängig von der diversitätssensiblen Haltung am Set“ (26,35%)
  • „Angst vor oder Erfahrung mit Diskriminierung/Nachteilen“ (16,91%)

Es muss also überhaupt erst mal ein Umfeld geschaffen werden, in der ein Outing keine negativen Auswirkungen mehr auf die eigene Karriere und zukünftige berufliche Engagements hat.

Und dann kommen wir noch zum strukturellen Problem auf der Produktionsebene. Das kann am Film FUTUR DREI gut veranschaulicht werden.

Im Film geht es um eine Dreiecksbeziehung zwischen Jugendlichen. Zwischen den beiden jungen Männern Parvis und Amon entsteht während eines exzessiven Partysommers eine Liebesbeziehung. Auch Amons Schwester Banafshe ist ein wichtiger Teil dieser fragilen und komplizierten Beziehung. Dass Parvis und Amon nebenbei schwul sind, ist eigentlich egal. Ihre Homosexualität wird nicht thematisiert, sie ist einfach gegeben. Das Problem ist, dass Banafshe und Amon keine sichere Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland haben und es nicht sicher ist, ob sie bleiben dürfen. Wie wird dieser Sommer für die drei also ausgehen?

 

Die „Schwierigkeit“ des Films: Er behandelt gleich zwei gesellschaftlich aufgeladene Themen. Homosexualität (auch wenn das nicht der Plan des Drehbuchs war) und Migration. Das stufte das verantwortliche Filmförderprogramm als etwas zu schwere Kost für das deutsche Ottonormalpublikum ein. Man muss sich für einen tragenden Konflikt entscheiden: Entweder homosexuelle Protagonisten oder Migration. Außerdem berichtet Produzentin Paulina Lorenz im Podcast Indie Talk von einer weiteren Aussage der Förderkommission, dass es in der Runde ja schon einen anderen queeren Film gäbe.

Mit einem Film ist also das Soll an Queerness schon erfüllt?  

Offensichtlich fehlt hier noch das wirkliche Verständnis dafür, worum es den Mitgliedern von #ActOut wirklich geht. Klar wünschen sie sich, dass sich an die Forderungen aus ihrem Manifest gehalten wird und daraus gewisse Regeln für Filme resultieren. Was sie sicherlich nicht wollen, ist der Branche etwas zu indoktrinieren. Es geht ihnen einfach und ganz selbstverständlich darum, keine Sonderbarkeit zu sein. Es geht ihnen darum, ihre Lebenswelt genauso repräsentiert zu sehen, wie wir es von unserer weißen, abled, heteronormativen cis-Lebenswelt auch gewohnt sind. Wir müssen dafür aber nicht jeden Tag kämpfen, uns nicht immer wieder erklären und stark bleiben gegenüber Vorurteilen, Diskriminierung und Unreflektiertheit. Es fehlt eine Begegnung auf Augenhöhe.

Business vs. Human Being

Individuelle Identitätsfacetten gehen immer noch viel zu oft unter. Klar ist wichtig, dass ein Umdenken bei Figurengestaltung und Rollenbesetzung stattfindet. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass hinter jeder Rolle immer auch ein Mensch steht. Horwitz vermisst z. B., dass zuallererst gefragt werden sollte, wie und mit welchen Pronomen Personen überhaupt angesprochen werden möchten.  

Wird also zu sehr auf der Business-Ebene gedacht – und verändert? Was bräuchte es, um nachhaltig das Verständnis für LGBTQIA+-Themen zu ändern? Wie bereits erwähnt sind Vorbilder immer wichtig. Könnte eine Quotenregelung helfen, um für (mehr) Vorbilder zu sorgen? Oder wäre das nur Pinkwashing, das sich gut nach außen kommunizieren lässt?  

Diese Problematik kennt man aus den Paritätsdiskussionen in Unternehmen: Frauenquote ist super, wenn es dabei nicht nur um die Erfüllung von Richtlinien geht, sondern die Menschen dahinter erkannt, gehört und gesehen werden.  

Trotzdem wären einige Schauspieler:innen über eine auferlegte Quote glücklicher als um den Kampf, den sie tagtäglich für ihren Job ausfechten müssen. Nur so käme es dazu, dass „der trans* Mann auch den cis-Tatort-Kommissar spielen darf“, und dann könne gern „auch die cis-Frau eine als trans* angelegte Figur spielen“, so Eva Meckbach in der SZ.

Weil dies aber noch nicht der Fall ist, sind viele Betroffene in der Schauspielbranche in der freien Szene unterwegs. Nur hier können sie – wie Heinrich Horwitz ergänzt – „die Sachen selbst schreiben und inszenieren, die wir zeigen und spielen wollen“. Er bringt es auf den Punkt mit:

"Es geht darum offen zu bleiben, Fragen zu stellen und immer wieder Neues zu lernen."

Be an Ally!

Im Laufe dieses Textes kam sicher durch, dass wie wichtig Vorbilder sind. Sich mit der Einstellung und der Denkweise anderer Leute auseinanderzusetzen, kann das eigene Mindset enorm erweitern. Und Lust auf Neues machen! Deshalb hier noch persönliche Tipps für alle aktuellen und künftigen Allies:

Hört und guckt euch an, was Menschen aus der LGBTQIA+ Community zu sagen haben. Erhaltet neue Perspektiven, indem ihr queeren Menschen auf Social Media folgt (letztes Jahr haben wir euch am gleichen Tag dazu schon ein paar Vorschläge gemacht). Hinterfragt eure Sehgewohnheiten kritisch und entscheidet euch doch mal ganz bewusst für einen queeren Film oder ein queeres Format in eurem Kino- oder Streaming-Programm. Schafft in eurem Bekanntenkreis ein Bewusstsein für die Diskriminierungsproblematik, sprecht darüber. Schaut auf einem der zahlreichen queeren Filmfestivals vorbei:

Noch ein paar persönliche Worte: Ich wünsche mir, dass es nicht nur Angelegenheit der Betroffenen bleibt, für Veränderung zu sorgen. Es gibt so viele Initiativen, Mitmachmöglichkeiten, Petitionen und öffentlichen Austausch, bei denen auch wir Allies die Aktivist:innen wie die der #ActOut-Bewegung von außerhalb der queeren Community unterstützen können. Und damit die Bewegung größer machen und hoffentlich festgefahrene Strukturen verändern können. Meine Stimme habt ihr jedenfalls – für queere Gleichberechtigung und Selbstverständlichkeit in der Filmbranche.

Dana Jansen
Trainee
Online-PR & Influencer Marketing
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